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Was ein AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt für die Drohnenabwehr bedeutet

Sachsen-Anhalt wählt, die AfD liegt in allen Umfragen vorn. Wir haben alle acht Wahlprogramme auf Drohnen, Luftraum und kritische Infrastruktur durchsucht. Das Ergebnis überrascht: Das längste Programm schweigt zum Thema, und das meiste entscheidet ohnehin der Bund.

Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. In der letzten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen vom 3. September lag die AfD mit 41 Prozent weit vor der CDU mit 23 Prozent, es folgten Linke (11,5), SPD (8,5) und Grüne (6). Für eine absolute Mehrheit braucht es 42 von 83 Sitzen, die verfehlt die AfD nach dieser Umfrage knapp. Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Wer am Ende regiert, ist am Wahlabend also offen. Was sich sagen lässt: Die AfD wird mit großer Wahrscheinlichkeit stärkste Kraft, und ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beansprucht die Regierungsbildung.

Für Luftwacht ist das Anlass, eine Frage zu stellen, die im Wahlkampf kaum vorkam: Was bedeutet das für die Drohnenabwehr in einem Land, das den Flughafen Leipzig/Halle vor der Haustür hat, in dem die Bundeswehr in Holzdorf gerade ihr Raketenabwehrsystem Arrow 3 aufbaut und in dem seit August das nationale Technologiezentrum für Drohnensicherheit steht? Wir haben dafür die Programme aller acht Parteien gelesen, die realistisch in den Landtag kommen können.

Was ein Land bei der Drohnenabwehr überhaupt entscheidet

Zuerst die nüchterne Zuständigkeitslage, denn sie begrenzt, was jede Landesregierung tun kann. Auf Flughäfen und Bahnanlagen des Bundes ist die Bundespolizei zuständig, für militärische Liegenschaften die Bundeswehr. Überall sonst ist es die Landespolizei. Seit der Änderung des Luftsicherheitsgesetzes im Februar 2026 darf die Bundeswehr als letztes Mittel auch im Inland gegen Drohnen vorgehen, aber nur auf Anforderung und wenn die Polizei technisch nicht weiterkommt.

Sachsen-Anhalt hat seinen eigenen Rahmen bereits gesetzt. Das im März 2026 verabschiedete neue Polizeigesetz erlaubt der Landespolizei, gefährliche Drohnen zu stören, zu blockieren, mit technischen Mitteln außer Gefecht zu setzen und den Standort des Piloten zu orten. Bis dahin durfte sie nur die Funkverbindung unterbrechen. Die Landespolizei verfügt nach eigenen Angaben über 26 eigene Drohnen und rund 70 ausgebildete Piloten. Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) hatte schon 2022 angekündigt, die Polizei mit Abwehrsystemen für Großveranstaltungen und Flughäfen auszustatten.

Eine Landesregierung entscheidet damit über vier Hebel: die Ausstattung und Ausbildung der Landespolizei, das Katastrophenschutzgesetz, den Zuschnitt des Landesverfassungsschutzes, der für Spionage- und Sabotageabwehr im Land zuständig ist, und das Abstimmungsverhalten im Bundesrat. Alles andere, vom Flughafen Leipzig/Halle über Holzdorf bis zum DLR-Zentrum in Cochstedt, liegt beim Bund.

Wo Sachsen-Anhalt im Lagebild steht

Das vertrauliche BKA-Lagebild, über das NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichteten, zählt für Januar bis August 2026 bundesweit 747 Drohnenvorfälle über kritischer Infrastruktur. Die Schwerpunkte liegen in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Sachsen-Anhalt gehört nicht zu den genannten Hotspots. Der Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle reichte allerdings über die Landesgrenze: Ein drittes Fluggerät und mutmaßlich Sprengstoff wurden auf einem Feld bei Kabelsketal im Saalekreis gefunden. Auf der Luftwacht-Karte stehen für Sachsen-Anhalt aktuell zwei Meldungen aus den letzten 30 Tagen, aus Staßfurt und Dessau-Roßlau.

Was im AfD-Programm steht, und was nicht

Das Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt ist mit 258 Seiten das längste aller Parteien. Die Wörter Drohne, unbemannt, Luftraum und kritische Infrastruktur kommen darin nicht vor. Auch Bundeswehr, Sabotage und hybride Bedrohung fehlen. Der Flughafen Leipzig/Halle wird ein einziges Mal erwähnt, als Startpunkt für landeseigene Abschiebeflüge.

Das Kapitel Innere Sicherheit setzt andere Schwerpunkte: eine schnellere Polizei durch ein digitales Notrufsystem in den Streifenwagen nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens, eine freiwillige Bürgerwacht neben Polizei und Ordnungsamt, die Zusammenführung von Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz in einem Gesetz und ein Schwerpunkt auf Linksextremismus. Den Landesverfassungsschutz will die Partei zu einem Inlandsgeheimdienst umbauen, der sich auf Terror- und Spionageabwehr beschränkt. Das Landesamt stuft die AfD seit Herbst 2023 als gesichert rechtsextremistisch ein, Siegmund hat angekündigt, bis zu 200 Stellen dort neu zu besetzen.

Auf Bundesebene klingt die Partei anders. Die AfD-Bundestagsfraktion stimmte im Februar 2026 für die Änderung des Luftsicherheitsgesetzes und forderte am 31. Juli in einem eigenen Antrag ein Drohnenabwehr-Testzentrum beim DLR, ein Programm mit klaren Zuständigkeiten und einen Gesetzentwurf binnen eines Jahres. Das Testzentrum gibt es seit dem 18. August, es steht in Cochstedt in Sachsen-Anhalt. Im Landesprogramm taucht es nicht auf.

Was die anderen Parteien wollen

  • CDU: Als einzige Partei benennt sie Drohnenabwehr als laufende Aufgabe der Landespolizei und will „weiter in moderne Technik zur Detektion und zur Abwehr von Drohnen investieren“. Dazu soll die Abteilung Bevölkerungsschutz im Innenministerium als Schnittstelle zu Bund und Bundeswehr personell wachsen, Cochstedt wird als Forschungsstandort ausgebaut.
  • Grüne: Das ausführlichste Kapitel zum Thema. Unter „Hybride Gefahren“ nennen sie Drohnen ausdrücklich als Mittel für Spionage, Sabotage und Einschüchterung und wollen die Polizei „gezielt zur Drohnenabwehr befähigen“, mit klaren Rechtsgrundlagen, Ausbildung und abgestuften Einsatzkonzepten, ohne Grundrechte einzuschränken. Dazu ein Schutzraumkonzept und mehr Zivilschutz.
  • FDP: Sieht Drohnen vor allem als Chance und will Sachsen-Anhalt zur „Test- und Anwendungsregion für Drohnen“ machen, von Inspektionen bis Rettungseinsätzen. Für die Abwehrseite fordert sie ein verbindliches Schutzkonzept für kritische Infrastrukturen mit Risikoanalysen und Mindeststandards.
  • SPD: Keine Drohnen im Programm, aber der Verfassungsschutz soll gegen Sabotage und Spionage besser ausgestattet werden, und bis 2031 soll eine Landesbedarfsplanung für den Katastrophenschutz entstehen, die kritische Infrastruktur ausdrücklich einbezieht.
  • Linke: Will die Koordination mit Betreibern kritischer Infrastruktur öffentlich machen und Lagebilder der Sicherheitsbehörden veröffentlichen. Sie lehnt die militärische Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle und den Ausbau des Standorts Holzdorf ab.
  • BSW: Fordert eine Novelle des Katastrophenschutzgesetzes, das „hybriden Bedrohungen“ nicht mehr gerecht werde, und einen ständigen Zivilschutz-Stab beim Ministerpräsidenten. Drohnen kommen nur als Kritik an der Aufrüstung vor.
  • Freie Wähler: Notfallpläne für Betriebe der kritischen Infrastruktur, Ausbau der Sirenen, Schutzräume, Schutz der Netze vor physischer Sabotage.

Was daraus folgt

Der Befund ist schlicht: Die Partei, die die Wahl aller Voraussicht nach gewinnt, hat zur Drohnenabwehr auf Landesebene keine Position. Das heißt nicht, dass sich nichts ändert. Drei Punkte sind absehbar.

Erstens: Das Polizeigesetz vom März bleibt in Kraft, die Befugnisse der Landespolizei ändern sich mit einem Regierungswechsel nicht. Ob die 2022 angekündigten Abwehrsysteme weiter beschafft werden, ist eine Haushaltsfrage, zu der das AfD-Programm schweigt.

Zweitens: Der geplante Umbau des Landesverfassungsschutzes berührt die Drohnenfrage indirekt, aber spürbar. Das Amt ist auf Landesebene für Spionage- und Sabotageabwehr zuständig, also genau für die Vorfälle, die das BKA in seinem Lagebild zählt. Juristen halten einen Umbau für rechtlich möglich, verweisen aber darauf, dass der Bund den Informationsfluss zu einem Landesamt einschränken kann, dem er nicht vertraut. Für ein Lagebild, das von geteilten Informationen lebt, wäre das ein Rückschritt.

Drittens: Das meiste, was Sachsen-Anhalt vor Drohnen schützt, hängt nicht am Landtag. Die Bundespolizei baut ihre Abwehreinheit bis Jahresende auf 300 Kräfte an acht Standorten aus, Leipzig ist einer der neun Städte, für die das Bundesinnenministerium laut Medienberichten schnell verlegbare Einheiten plant, und Cochstedt bleibt eine Einrichtung von DLR und Bund. Diese Strukturen arbeiten mit jeder Landesregierung zusammen, sie brauchen sie aber auch: Außerhalb der Flughäfen ist die Landespolizei der erste Ansprechpartner, wenn eine Drohne über einem Umspannwerk, einem Chemiepark oder einer Kaserne gemeldet wird.

Wer eine Drohne beobachtet, kann sie unabhängig davon, wer in Magdeburg regiert, auf Luftwacht melden und so zum zivilen Lagebild beitragen. Bei akuter Gefahr, etwa in der Nähe von Flughäfen oder kritischer Infrastruktur, gilt immer zuerst die 110.

Stand: Sonntag, 6. September 2026, Mittag, vor Schließung der Wahllokale. Die Umfragewerte werden nach Vorliegen des vorläufigen Ergebnisses aktualisiert.

Quellen

Dieser Beitrag wurde KI-gestützt recherchiert und redaktionell geprüft.

Akute Gefahr? Polizei-Notruf: 110 (DE) · 133 (AT) · 117 (CH). Sichtung melden →