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747 Drohnensichtungen über kritischer Infrastruktur: Was das vertrauliche BKA-Lagebild zeigt
Ein internes BKA-Lagebild nennt erstmals bundesweite Zahlen: 747 Vorfälle mit 1.068 gesichteten Drohnen über sensiblen Anlagen – bei nur wenigen identifizierten Steuernden. Zur Einordnung: Die jüngsten Angriffe auf Umspannwerke waren nach bisherigem Ermittlungsstand keine Drohnenangriffe.
Ein internes Lagebild des Bundeskriminalamts nennt erstmals bundesweite Zahlen für 2026: 747 Vorfälle mit insgesamt 1.068 gesichteten Drohnen über sensiblen Anlagen – bei nur wenigen identifizierten Steuernden. Parallel diskutieren Wirtschaft und Innenminister über Mindeststandards für den KRITIS-Schutz. Wichtig zur Einordnung: Die jüngsten Angriffe auf Umspannwerke waren nach bisherigem Ermittlungsstand keine Drohnenangriffe.
Was in dem Lagebild steht
Das Papier trägt den Titel „Lageupdate Hybride Bedrohung“ und fasst den Stand bis Ende August 2026 zusammen. Von Januar bis Ende August wurden demnach 747 Vorfälle registriert, bei denen insgesamt 1.068 Drohnen über kritischen Infrastrukturen gesichtet wurden; nur in wenigen Fällen gelang es den Behörden, die verantwortlichen Piloten zu identifizieren.
Die Drohnenzahlen stehen in einem größeren Kontext: Bis Ende August registrierten die Behörden mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle, wie aus dem vertraulichen BKA-Lagebild hervorgeht, aus dem NDR, WDR und die „Süddeutsche Zeitung“ zitieren. Besonders im Fokus stehen Anschläge auf die Energieversorgung, bei denen selbstgebastelte Geschosse Hochspannungsleitungen beschädigten; die Staatsanwaltschaften ermitteln in diesen Fällen wegen Terrorismus oder verfassungsfeindlicher Sabotage. Hinzu kommen 24 Ermittlungsverfahren wegen Spionage, darunter zwölf wegen Cyberspionage; die Polizeien in Bund und Ländern stellten insgesamt 112 Straftaten mit Spionagebezug fest.
Zum Vergleichsmaßstab: Die 165 mutmaßlichen Sabotagefälle in acht Monaten stehen 320 Fällen im gesamten Jahr 2025 gegenüber – die Zahl steigt damit deutlich an.
Regionale Schwerpunkte – mit Unsicherheiten
Nach Auswertungen des Lagebilds konzentrieren sich die Vorfälle regional. Besonders betroffen sind demnach Brandenburg mit 23 Fällen sowie Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mit jeweils 21 gemeldeten Ereignissen, in Niedersachsen wurden 15 Fälle aktenkundig. Andere Auswertungen desselben Berichts nennen Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern als Schwerpunkte, wobei hinter vielen Fällen russische Akteure vermutet werden. Diese Verdachtszuschreibung ist bislang nicht abschließend belegt – sie beruht auf Einschätzungen von Sicherheitsbehörden, nicht auf gerichtlich festgestellten Tatsachen.
Ein Einzelfall wird im Lagebild hervorgehoben: Im Juli wurde in Bayern ein Mann aus Moldau festgenommen, der mit einer Drohne ein Rüstungsunternehmen ausspioniert haben soll; die Ermittler gehen laut dem Rechercheverbund davon aus, dass er im Auftrag staatlicher Stellen in Russland gehandelt haben könnte. Es gilt die Unschuldsvermutung; ein Verfahrensausgang ist nicht bekannt.
Wichtige Abgrenzung: Umspannwerke ohne Drohnen
Die aktuellen Angriffe auf das Stromnetz werden in der öffentlichen Debatte häufig mit Drohnen vermischt. Nach bisherigem Stand zu Unrecht: Bei den koordinierten Angriffen am 1. September 2026 in Turnow-Preilack (Brandenburg) und Bergheim (Nordrhein-Westfalen) wurden Umspannwerke mit selbstgebauten Flugkörpern attackiert; die Täter nutzten nach Behördenangaben über 20 dieser Vorrichtungen, um leitfähiges Material wie Kupferdrähte auf Höchstspannungsleitungen zu lenken und Kurzschlüsse zu provozieren. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, Unbekannte hätten Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht; die Behörden ermitteln wegen verfassungsfeindlicher Sabotage. Reul erklärte zudem, man sei „relativ sicher, dass es viele Parallelen gibt“, wer hinter den Taten stecke, sei aber weiter unklar.
Es handelt sich also um improvisierte Abschussvorrichtungen am Boden, nicht um unbemannte Fluggeräte. Wer Meldungen einordnet, sollte diesen Unterschied sauber halten.
Politische Folgen: Ruf nach Mindeststandards
Die Zahlen erhöhen den Druck auf den KRITIS-Rechtsrahmen. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat einen beschleunigten und deutlich erweiterten Schutz kritischer Infrastruktur angemahnt, bewertete das seit März 2026 geltende Kritis-Dachgesetz als unzureichend und drängt auf einheitliche Mindeststandards für Energie, Verkehr sowie Informationstechnik und Kommunikation. Obwohl das Gesetz seit Monaten in Kraft ist, fehlen laut Bundesinnenministerium weiterhin die zugehörigen Rechtsverordnungen. Das Ministerium stufte die Gefährdungslage nach den jüngsten Zwischenfällen als hoch ein, betonte aber, dass primär die Betreiber selbst für den Schutz ihrer Anlagen verantwortlich seien.
Was das für Meldewege bedeutet
Der auffälligste Befund für die Praxis ist nicht die absolute Zahl, sondern die geringe Aufklärungsquote: Die meisten Steuernden bleiben unidentifiziert. Sichtungsmeldungen sind deshalb nur dann wertvoll, wenn sie zeitnah, mit Ort, Uhrzeit, Flugrichtung und – wenn möglich – Beobachtungen zum mutmaßlichen Startpunkt erfolgen.
Praktischer Hinweis:
- Akute Gefahr oder laufender Vorfall (Anlage, Flughafen, Menschenansammlung): Notruf 110. Keine Eigenmaßnahmen gegen Drohnen – Stören, Abschießen oder Fangen ist Privatpersonen nicht erlaubt und gefährdet Dritte.
- Beobachtungen ohne akute Gefahr: über die Polizei-Onlinewache des Landes oder betriebliche Meldeketten (Sicherheitszentrale des Betreibers).
- Betreiber sensibler Anlagen: Vorfälle dokumentieren und intern melden, auch wenn keine Beeinträchtigung eintrat – ohne diese Meldungen bleibt das Lagebild lückenhaft.
Einordnung
Das Lagebild ist ein internes Dokument; die Zahlen sind über Medienberichte bekannt geworden und liegen nicht als amtliche Veröffentlichung vor. „Sichtung“ bedeutet zudem nicht „Angriff“: Sie umfasst auch unbeabsichtigte oder unbedachte Flüge privater Nutzerinnen und Nutzer über gesperrten Gebieten. Eine belastbare Trennung zwischen ausgespähender und harmloser Nutzung ist auf Basis der bisher bekannten Angaben nicht möglich.
Quellen
- https://www.new-facts.eu/sortierung-top/deutschlandwelt-block/2026/09/03/bka-lagebild-viele-sabotage-und-spionagefaelle-in-deutschland/727076/
- https://www.nachrichten-heute.net/1741685-bka-lagebild-viele-sabotage-und-spionagefaelle-in-deutschland.html
- https://www.drweb.de/bka-lagebild-sabotage-kritische-infrastruktur/
- https://www.ad-hoc-news.de/wirtschaft/kritis-schutz-dihk-fordert-nach-165-sabotagen-mindeststandards/70052101
- https://www.ad-hoc-news.de/wissenschaft/bka-bericht-747-drohnensichtungen-ueber-kritischer-infrastruktur/70051702
- https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/sabotage-umspannwerk-brandenburg-nrw-bergheim-ermittler-100.html
- https://www.boerse-express.com/news/articles/stromnetz-sabotage-behoerden-pruefen-bekennerschreiben-nach-angriffen-944613
Dieser Beitrag wurde KI-gestützt recherchiert und redaktionell geprüft.