Luftwacht

Aktuelles · Recht & Regeln

Neues Technologiezentrum Drohnensicherheit in Cochstedt eröffnet

Am DLR-Standort Cochstedt soll die Erkennung und Abwehr unbemannter Fluggeräte unter realistischen Bedingungen erprobt werden. Das Zentrum ist der dritte Baustein einer Bund-Länder-Strategie – die Frage nach der praktischen Wirkung bleibt offen.

Am DLR-Standort Cochstedt in Sachsen-Anhalt ist das „Technologiezentrum Drohnensicherheit“ eröffnet worden. Erkennung und Abwehr unbemannter Fluggeräte sollen dort unter realistischen Bedingungen erprobt werden. Das Zentrum ist der dritte Baustein einer Bund-Länder-Strategie – und es beantwortet die Frage nach der praktischen Wirkung noch nicht.

Was heute eröffnet wurde

Am Dienstag um 10.30 Uhr sollte am Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Cochstedt im Salzlandkreis das neue Technologiezentrum Drohnensicherheit eröffnet werden; erwartet wurden Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU). In dem Zentrum sollen neue Technologien für die Drohnensicherheit erforscht, entwickelt und unter realistischen Bedingungen erprobt werden; gemeinsam mit dem DLR-Standort Braunschweig entsteht nach Angaben der Beteiligten eine bundesweit einzigartige Einrichtung, in der Wissenschaft und die praktischen Anforderungen der Sicherheitsbehörden zusammengebracht werden sollen.

Genutzt wird dabei kein neuer Flugplatz: Standort ist der Flughafen Magdeburg-Cochstedt, auf dem das DLR bereits seit 2021 das Nationale Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme betreibt. Rund 20 Millionen Euro wurden nach Angaben des Forschungszentrums bislang in den Standort investiert; das Testgelände erlaubt Versuche, die an einem gewöhnlichen Verkehrsflughafen kaum möglich wären – etwa Tests mit Störsignalen.

Einordnung: kein Kurzschluss aus Leipzig

Politisch wird das Zentrum eng mit dem Fund einer präparierten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle verknüpft. Dort war eine umgebaute und mit Sprengstoff bestückte Drohne zwischen mehreren ukrainischen Frachtflugzeugen entdeckt worden. Wichtig für die Bewertung: Dass am 18. August in Cochstedt ein Technologiezentrum Drohnensicherheit eröffnet wird, ist nach einer Analyse von Table.Briefings keine unmittelbare Reaktion auf die Vorfälle am Leipziger Flughafen – die Planung läuft länger. Der Zeitpunkt fällt also mit der aktuellen Debatte zusammen, ist aber nicht durch sie ausgelöst.

Wo das Zentrum in der Gesamtstruktur steht

Das Technologiezentrum ist Teil einer Strategie zur Drohnenabwehr, die Dobrindt mit den Innenministern der Länder besprochen hatte. Dazu gehört eine seit Dezember tätige Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei, die perspektivisch auf 300 Kräfte anwachsen soll; zweiter Baustein ist ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern. Dieses Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) wurde Ende 2025 in Berlin eröffnet, dort arbeiten Polizeien von Bund und Ländern mit der Bundeswehr zusammen; es soll Informationen zusammenführen, ein gemeinsames Lagebild ermöglichen und wird rund um die Uhr betrieben. Das Zentrum ist allerdings keine Einheit, die selbst jede Drohne bekämpft – die Zuständigkeit hängt weiter davon ab, wo ein Fluggerät auftaucht; an Verkehrsflughäfen ist grundsätzlich die Bundespolizei zuständig.

Hinzu kommt die organisatorische Ebene: Bundesinnenminister Dobrindt hat am 16. Juni 2026 gemeinsam mit Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid) eröffnet, das Spionage, Sabotage, Desinformation und weitere hybride Bedrohungsformen erkennen soll.

Der offene Punkt: Detektion vor Abwehr

Was Technik leisten kann, zeigt indirekt die Statistik. Der DFS-Drohnenreport mit Stand Juni 2026 weist Berlin mit 28 Fällen als Spitzenreiter aus – vor Frankfurt mit 27 und Bremen mit 23; die Flugsicherung ordnet diesen Spitzenplatz aber selbst ein. Laut DFS-Sprecher Marian Günther rührt die hohe Zahl für Berlin daher, dass die Bundespolizei am Flughafen seit März über ein Drohnendetektionssystem verfügt, das alle Drohnen in einem größeren Umfeld erfasst – auch solche, die nicht unmittelbar in der Einflugschneise fliegen. Mehr Meldungen bedeuten damit nicht zwangsläufig mehr Drohnen, sondern zunächst bessere Messung. Genau an dieser Lücke – erkennen, zuordnen, dann erst reagieren – soll die Forschung in Cochstedt ansetzen.

Parallel arbeiten die Länder an eigenen Rechtsgrundlagen. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) will Betreibern kritischer Infrastruktur ermöglichen, Drohnen künftig selbst abzuwehren; an einer entsprechenden Gesetzesgrundlage werde derzeit gearbeitet. Nach einem Sicherheitsgespräch am BER mit Bundespolizei, Flughafengesellschaft und DFS betonte Redmann am 13. August die Bedeutung enger Zusammenarbeit und sprach von einer verschärften Sicherheitslage für kritische Infrastruktur. Ob und wann daraus ein beschlossenes Gesetz wird, ist offen – bislang handelt es sich um eine Ankündigung.

Was das für Meldende bedeutet

Für Bürgerinnen und Bürger ändert die Eröffnung eines Forschungszentrums an den Meldewegen zunächst nichts. Bei akuter Gefahr – etwa einer Drohne im An- und Abflugbereich, über Einsatzstellen oder auffälligem Verhalten an Infrastrukturanlagen – gilt weiterhin: 110. Beobachtungen ohne akute Gefahr können dokumentiert (Zeit, Ort, Flugrichtung, Höhe, ggf. Foto vom Himmelsausschnitt) und über die zuständige Polizei oder ein ziviles Meldesystem eingespeist werden. Je präziser die Einzelmeldung, desto belastbarer das Lagebild, an dem Behörden und künftig auch die Cochstedter Testreihen arbeiten.

Hinweis: Angaben zu Ermittlungen im Fall Leipzig/Halle sind Gegenstand laufender Verfahren. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Dieser Beitrag wurde KI-gestützt recherchiert und redaktionell geprüft.

Akute Gefahr? Polizei-Notruf: 110 (DE) · 133 (AT) · 117 (CH). Sichtung melden →