Aktuelles · Vorfall
Drohnenalarm am BER: 45 Minuten Stillstand, Umleitungen nach Dresden, und keine Spur von der Drohne
Eine Drohnensichtung legte am Mittwochabend den Flugbetrieb am Hauptstadtflughafen komplett lahm. Die Bundespolizei konnte das Gerät trotz Suche nicht bestätigen, ein typischer Fall zwischen Sichtung, Sperrung und fehlender Aufklärung.
Berlin/Schönefeld, 24.09.2026. Eine Drohnensichtung hat am Mittwochabend den Flugbetrieb am Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg vollständig zum Erliegen gebracht. Die Bundespolizei konnte das Gerät trotz Suche nicht bestätigen. Der Fall zeigt exemplarisch, wie wenig zwischen Sichtung, Sperrung und Aufklärung derzeit zusammenpasst, und warum der BER bei den Sichtungszahlen bundesweit vorne liegt.
Was passiert ist
Gegen 20 Uhr meldeten mehrere Mitarbeitende des Flughafens eine Drohne; die Deutsche Flugsicherung sperrte daraufhin zunächst die Nordpiste für Starts und Landungen, um 20.20 Uhr dann auch die Südpiste. Damit stand der Flugverkehr am BER vollständig still. Um 21.05 Uhr hob die Flugsicherung die Sperrung wieder auf. Sprecherinnen von Flughafen und Bundespolizei bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass zeitweise weder Flugzeuge starten noch landen konnten.
Die Folgen für Passagiere waren spürbar: Es kam bei zahlreichen Flügen zu Verzögerungen bei Starts und Landungen, mehrere Umleitungen wurden angezeigt. Zur genauen Zahl gehen die Angaben auseinander: Das ZDF berichtete von acht nach Dresden umgeleiteten Maschinen und zitierte eine Crew, die Drohnensichtungen als Ursache der Umleitung bestätigte. In einer früheren Meldung war unter Berufung auf die "Bild" von zwei nach Dresden umgeleiteten Flugzeugen die Rede. Nach Wiederaufnahme des Betriebs kam es weiterhin zu Verspätungen.
Offene Fragen: Bundespolizei fand nichts
Einen Tag danach ist die Lage unklar. Sprecher von Polizei und Bundespolizei machten am Donnerstagmorgen keine neuen Angaben zu dem Vorfall; die Hintergründe sind offen. Entscheidend für die Einordnung ist ein Detail aus der dpa-Meldung: Die Bundespolizei habe Ausschau gehalten, aber keine Drohne feststellen können, sagte eine Sprecherin der Sicherheitsbehörde.
Das heißt ausdrücklich nicht, dass die Meldenden sich geirrt haben, es heißt, dass die Sichtung bislang unbestätigt ist. Solche Fälle sind typisch: Eine Sichtung reicht aus, um den Verkehr anzuhalten, aber sie reicht meist nicht, um einen Verursacher zu finden. Über Motiv, Herkunft oder verantwortliche Personen ist nichts bekannt; Spekulationen verbieten sich.
Warum ausgerechnet der BER
Die Zahlen sprechen für sich. An keinem anderen deutschen Flughafen wurden im ersten Halbjahr 2026 so viele Drohnen gesichtet wie am BER: 28 Flugobjekte registrierte der Tower in Schönefeld in sechs Monaten, eine Sichtung mehr als im selben Zeitraum in Frankfurt am Main. In sieben Fällen musste der Flugverkehr deswegen vorübergehend unterbrochen werden. Auffällig ist vor allem der Sprung zum Vorjahr: Im Gesamtjahr 2025 wurden laut Flugsicherung nur acht Drohnen am BER und im Großraum festgestellt.
Ein Teil dieses Sprungs dürfte messtechnisch erklärbar sein: Als möglicher Grund für die hohe Zahl gilt unter anderem ein neues Drohnendetektionssystem, das die Bundespolizei am BER installiert hat und das Flugobjekte in einem größeren Umkreis registriert. Bessere Detektion erzeugt mehr Meldungen, das ist kein Widerspruch, sondern ein Effekt, den man bei der Bewertung der Statistik mitdenken muss.
Einordnung: Detektion ja, Konsequenz offen
Der BER-Abend fällt in eine aufgeheizte Debatte. Wachsende Gefahren durch unerlaubte Drohnenüberflüge haben eine Diskussion über den Schutz kritischer Infrastruktur in Deutschland ausgelöst. Rechtlich ist inzwischen einiges bewegt worden: Mit dem im März 2026 eingefügten § 15a Luftsicherheitsgesetz ("Gefahrenabwehr gegen unbemannte Luftfahrzeuge") wurde die Abwehr unbemannter Luftfahrzeuge neu geregelt; bereits zuvor konnten die Streitkräfte Bundes- und Landesbehörden unterhalb der Einsatzschwelle technische Amtshilfe leisten, etwa durch ergänzende Luftraumüberwachung und die Bereitstellung von Mitteln zur Drohnendetektion und -abwehr.
Der Fall BER zeigt die Lücke dazwischen: Selbst mit moderner Detektion und klareren Befugnissen bleibt am Ende eine Sperrung, ein Dutzend verspäteter Flüge, und ein Vorgang ohne Täter. Wer eine Drohne meldet, handelt trotzdem richtig: Ohne diese Meldungen gäbe es weder Sperrung noch Statistik.
Was Sie tun können
- Akute Gefahr, etwa eine Drohne nahe Start- oder Landebahnen, über Einsatzstellen oder Menschenansammlungen: sofort 110 wählen. Jede Minute zählt, weil Flugsicherung und Polizei nur auf Basis konkreter Angaben reagieren können.
- Hilfreich sind: Uhrzeit, genauer Standort, Flugrichtung, Höhe (geschätzt), Größe/Lichter, Beobachtungsdauer und ob eine steuernde Person sichtbar war.
- Keine eigenen Abwehrversuche. Das Stören oder Beschädigen einer Drohne ist gefährlich und kann selbst strafbar sein.
- Nicht-akute Beobachtungen können Sie über das Luftwacht-Meldeformular dokumentieren und an die zuständige Polizei weiterleiten.
Quellen
- Berliner Zeitung, "Drohnenalarm am BER: Flugverkehr 45 Minuten komplett eingestellt" (23.09.2026): berliner-zeitung.de
- ZDFheute, "Flugzeuge umgeleitet: Drohnenalarm am Berliner Flughafen BER" (23.09.2026): zdfheute.de
- dpa-AFX-ROUNDUP, "Was steckt hinter der Drohnen-Sichtung am Flughafen BER?" (24.09.2026): onvista.de
- t-online, "Alarm am Flughafen BER: Betrieb lahmgelegt, von der Drohne fehlt aber jede Spur" (24.09.2026): t-online.de
- aero.de, "Flugbetrieb am BER zeitweise eingestellt": aero.de
- PUBLICUS (Boorberg), "Die Drohnenabwehr in Deutschland" (11.08.2026), zu § 15a LuftSiG: publicus.boorberg.de
Hinweis: Angaben zu Zahl und Zielen umgeleiteter Flüge weichen zwischen den Quellen ab. Die Sichtung ist behördlich bislang nicht bestätigt; Hintergründe und Verantwortliche sind unbekannt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Quellen
- https://www.berliner-zeitung.de/article/ber-flughafen-drohne-luftraum-gesperrt-fluege-umgeleitet-10424673
- https://www.zdfheute.de/panorama/kriminalitaet/berlin-flughafen-ber-drohnen-alarm-100.html
- https://www.onvista.de/news/2026/09-24-roundup-was-steckt-hinter-der-drohnen-sichtung-am-flughafen-ber-0-10-26556907
- https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_101450094/drohne-am-flughafen-berlin-ber-polizei-fehlt-jede-spur.html
- https://www.aero.de/news-53728/Flugbetrieb-am-BER-zeitweise-eingestellt.html
- https://publicus.boorberg.de/die-drohnenabwehr-in-deutschland/
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