Luftwacht

Aktuelles · Vorfall

Nach dem Sprengstoff-Fund von Leipzig: Karlsruhe bekommt ein Transferzentrum für Drohnen und Drohnenabwehr

Fraunhofer IOSB, Fraunhofer ICT und das wbk des KIT gründen in Karlsruhe das Innovations- und Transferzentrum Drohnen und Drohnenabwehr (IZEDD). Baden-Württemberg fördert die Initialphase mit rund 300.000 Euro, einsatzfähige Abwehr im zivilen Luftraum bringt das vorerst nicht.

Fraunhofer IOSB, Fraunhofer ICT und das wbk des KIT bauen gemeinsam das „Innovations- und Transferzentrum Drohnen und Drohnenabwehr“ (IZEDD) auf. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut übergab am 7. Oktober den Förderbescheid für die Initialphase: rund 300.000 Euro bis Jahresende. Das Zentrum soll Forschung, Industrie, Behörden und Anwender zusammenbringen, ein Beitrag zur Drohnenabwehr, der allerdings erst mittelfristig im zivilen Luftraum ankommen dürfte.

Was genau beschlossen wurde

Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB), das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) und das wbk Institut für Produktionstechnik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gründen das IZEDD als gemeinsame Kooperationsplattform am Standort Karlsruhe. Die Leitung übernimmt laut Mitteilung des Fraunhofer IOSB Institutsleiter Jürgen Beyerer.

Das Land Baden-Württemberg finanziert zunächst nur die Initialphase. In dieser Phase bis zum Jahresende sollen die drei Gründungspartner die fachlichen und organisatorischen Grundlagen für den weiteren Aufbau schaffen und erste Anwendungsfälle für die spätere Projektarbeit identifizieren. Konkrete Entwicklungsprojekte und ein dauerhafter Betrieb sind damit noch nicht finanziert, das ist ausdrücklich ein späterer Schritt.

Inhaltlich bringt das Fraunhofer IOSB nach eigenen Angaben vor allem Kompetenzen in Sensorik und Bildauswertung, Künstlicher Intelligenz, Simulation, autonomen und kooperativen Systemen sowie bei Detektion, Klassifikation und Abwehr von Drohnen ein. Das wbk des KIT koordiniert die Erstellung einer Technologie- und Kompetenzübersicht; das Fraunhofer ICT steht für den Bereich chemische Technologien. Geplant sind unter anderem ein Stakeholder-Workshop und weitere Vernetzungsaktivitäten, um zusätzliche Partner für gemeinsame Entwicklungs- und Transferprojekte zu gewinnen.

Die politische Begründung ist offen formuliert: Mit dem IZEDD sollen Forschung und Anwendung im Feld Drohnen und Drohnenabwehr enger verzahnt und der „Hochlauf“ der Sicherheits- und Verteidigungsbranche im Land vorangetrieben werden, so die Wirtschaftsministerin laut Pressemitteilung.

Einordnung: Forschung ist nicht Einsatzfähigkeit

Für Leserinnen und Leser, die nach den Vorfällen der vergangenen Monate nach schnellen Lösungen suchen, ist eine nüchterne Einordnung wichtig: Das IZEDD ist eine Transfer- und Vernetzungsstruktur, keine Abwehreinheit und kein Sensornetz. Es detektiert keine Drohnen über Flughäfen oder Industrieanlagen und ändert nichts an Zuständigkeiten oder Meldewegen. Der erklärte Zweck ist, Forschungsergebnisse schneller in marktreife und behördentaugliche Produkte zu überführen, ein Prozess, der typischerweise Jahre braucht.

Damit reiht sich Karlsruhe in eine wachsende Landschaft ein. Am Fraunhofer-Standort Ettlingen wird bereits seit längerem an Detektion und Abwehr von Kleinstdrohnen geforscht, unter anderem an Laser- und KI-gestützten Verfahren. Das KIT hatte im Frühjahr 2026 ein eigenes Konzept vorgestellt, bei dem Ketten Fluggeräte kontrolliert zum Absturz bringen sollen. Auf Bundesebene eröffneten Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze im August 2026 in Sachsen-Anhalt ein „Technologiezentrum Drohnensicherheit“. Ob diese Einrichtungen arbeitsteilig oder nebeneinander arbeiten, ist bislang nicht öffentlich beschrieben, eine offene Frage, die wir weiterverfolgen.

Was das für den zivilen Luftraum bedeutet

Kurzfristig: wenig. Die Lücken, die Fachleute seit dem Sprengstofffund am Flughafen Leipzig/Halle und den Überflügen über Bundeswehrliegenschaften benennen, liegen vor allem bei Zuständigkeiten, Lagebild und Meldeketten, nicht primär bei fehlender Technologie im Labor. Mittelfristig kann ein funktionierender Transfer aber genau dort helfen, wo Behörden heute mit Prototypen arbeiten: bei wetterfester, nachtfähiger Sensorik und bei der Integration in Leitstellen.

Nicht bestätigt und derzeit offen ist, welche Partner aus Industrie und Behörden sich dem IZEDD anschließen, ob eine Anschlussfinanzierung über 2026 hinaus kommt und in welcher Höhe. Bis dahin bleibt der Förderbescheid ein Startsignal, keine Kapazitätsmeldung.

Wenn Sie eine Drohne sehen

Bei akuter Gefahr, etwa einer Drohne im An- oder Abflugbereich eines Flughafens, über Menschenmengen oder über sicherheitsrelevanten Anlagen, gilt unverändert: Notruf 110, oder die Sicherheitszentrale des Betreibers. Notieren Sie, wenn möglich, Uhrzeit, Standort, Flugrichtung, ungefähre Höhe und Größe; verfolgen Sie die Drohne nicht und greifen Sie nicht selbst ein. Nicht akute Beobachtungen gehören an die zuständige Polizeidienststelle beziehungsweise die Bundespolizei im Flughafen- und Bahnbereich.

Quellen

  • Fraunhofer IOSB, Pressemitteilung vom 07./08.10.2026: „Fraunhofer und KIT gründen Innovations- und Transferzentrum für Drohnen und Drohnenabwehr (IZEDD)“, iosb.fraunhofer.de
  • hartpunkt, 08.10.2026: „Fraunhofer-Institute und KIT gründen Innovations- und Transferzentrum Drohnen und Drohnenabwehr“, hartpunkt.de
  • insideBW, 08.10.2026: „Karlsruhe baut Drohnenzentrum auf, zunächst fließen 300.000 Euro“, insidebw.de
  • KIT, Presseinformation 2026/042: „Drohnenabwehr: Ketten bringen Fluggeräte kontrolliert zum Absturz“, kit.edu
  • BMFTR, 08/2026: „Neues Technologiezentrum stärkt die Sicherheit im Drohnenverkehr“, bmftr.bund.de

Dieser Beitrag wurde KI-gestützt recherchiert und redaktionell geprüft.

Luftwacht-Updates

Das Drohnen-Lagebild per E-Mail

Neue Sperrzonen, auffällige Sichtungen und Hintergründe. Etwa zweimal im Monat, kostenlos, abbestellen mit einem Klick.

Akute Gefahr? Polizei-Notruf: 110 (DE) · 133 (AT) · 117 (CH). Sichtung melden →