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Flächendeckendes Drohnen-Lagebild: Mecklenburg-Vorpommern startet Sensornetz mit 150 Messpunkten

Das Innenministerium MV und die Hochschule Stralsund bauen entlang der Küste rund 150 Funksensoren auf, um Drohnen in Echtzeit zu erfassen. Das Projekt ist nach Landesangaben bundesweit einmalig, die praktische Wirksamkeit steht noch aus.

Schwerin/Stralsund, Statt einzelner Sichtungsmeldungen soll künftig ein Echtzeitbild des Luftraums entstehen: Das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommerns und die Hochschule Stralsund haben am Donnerstag ein Forschungsprojekt vorgestellt, das entlang der gesamten Küste und an ausgewählten Objekten rund 150 Funksensoren aufbauen will. Es ist nach Angaben des Landes das erste Vorhaben dieser Größenordnung in Deutschland, und es adressiert genau die Schwachstelle, die zuletzt bei mehreren Vorfällen an Flughäfen sichtbar wurde: Meldungen kommen oft zu spät und bleiben unbestätigt.

Was geplant ist

Projektpartner des Innenministeriums sind das Institut für sichere mobile Kommunikation (ISMK) an der Hochschule Stralsund und die Berliner Gesellschaft für sichere mobile Kommunikation (GSMK). Die Sensoren erfassen keine Bilder, sondern die Funk- bzw. elektromagnetischen Signale fernsteuerbarer Fluggeräte. Eine Software bündelt, filtert und bewertet diese Daten; der auswertende Server soll an der Hochschule Stralsund stehen. Ergebnisse wie Drohnentyp und Flugroute sollen der Landespolizei in Echtzeit zur Verfügung stehen.

Innenminister Christian Pegel begründete das Vorhaben damit, dass es nicht mehr genüge, einzelne Sichtungen zu melden und ihnen anschließend nachzugehen; nötig sei ein Lagebild, das Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenführe. Bestehende technische Systeme deckten bislang nur einzelne Objekte wie Flughäfen oder militärische Liegenschaften ab und seien vergleichsweise teuer und personalintensiv, die nun verwendete Sensorik sei deutlich günstiger, so der Minister.

Zeitplan, Kosten, offene Punkte

Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Nach Angaben von GSMK-Geschäftsführer Björn Rupp sollen die ersten Sensoren zeitnah installiert werden, das System soll im kommenden Halbjahr in Betrieb gehen. Die Kosten bezifferte das Ministerium auf einen Betrag im niedrigen siebenstelligen Bereich, also mehr als eine Million Euro.

Mehrere Details nennen die Beteiligten ausdrücklich nicht: An welchen Objekten und Orten genau Sensoren aufgestellt werden, bleibt aus Sicherheitsgründen offen. Auch die Reichweite ist begrenzt, Pegel betonte, dass das Netz noch nicht das gesamte Bundesland abdecken werde. Ein zentrales Thema ist die Filterung: ISMK-Leiter Prof. Andreas Noack verwies darauf, dass nicht eine Flut von Warnungen erzeugt werden solle. Wie belastbar Erkennung, Zuordnung und Alarmierung in der Praxis funktionieren, ist damit Teil der Erprobung und noch nicht belegt.

Der Hintergrund: mehr Meldungen, dünne Datenlage

Das Innenministerium hatte wenige Tage vor der Projektvorstellung aktuelle Zahlen veröffentlicht: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 39 meldepflichtige Drohnenvorfälle registriert, mehr als im gesamten Jahr 2025 (37 Fälle). Betroffen waren im ersten Halbjahr:

  • 19-mal kritische Infrastruktur
  • 16-mal militärische Anlagen
  • je zweimal Industrieanlagen und Einrichtungen von Justiz bzw. Polizei

2025 verteilten sich die Meldungen auf 15 Fälle mit militärischen Anlagen, 14 mit kritischer Infrastruktur, sechs mit Industrieanlagen und zwei mit Justiz- bzw. Polizeieinrichtungen.

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um gemeldete Sichtungen. Ob tatsächlich jeweils eine Drohne unterwegs war und wer sie mit welcher Absicht steuerte, lässt die Statistik offen; zu einzelnen Vorfällen macht das Ministerium keine Angaben. Genau diese Unsicherheit ist der Grund, warum Länder und Bund derzeit in Detektion investieren, Abwehrtechnik setzt voraus, dass ein Objekt überhaupt erkannt und verortet ist. Die Landespolizei hat laut Ministerium über ein EU-Förderprogramm bereits eine „Erstbefähigung“ an Drohnenabwehrtechnik beschafft, die auf die Intervention gegen bereits erkannte Drohnen ausgelegt ist.

Als Anlass für die neue Dringlichkeit nennt das Ministerium ausdrücklich den versuchten Angriff auf eine Transportmaschine am Flughafen Leipzig/Halle, zu dem die Ermittlungen laufen. Zu Verantwortlichkeiten liegen in diesem Verfahren bislang keine gerichtlich festgestellten Ergebnisse vor; es gilt die Unschuldsvermutung.

Was das für Meldewege bedeutet

Für Drohnenpilotinnen und -piloten ändert das Projekt die Rechtslage nicht: Flugverbots- und Beschränkungszonen, Höhengrenzen und Abstände zu Flughäfen, Militäranlagen und Industrieobjekten gelten unverändert. Neu ist perspektivisch, dass Funkaktivität in Küstennähe systematisch erfasst und ausgewertet wird, Flüge in sensiblen Bereichen dürften damit häufiger auffallen und schneller überprüft werden.

Für Beobachtende bleiben Augenzeugenmeldungen weiter relevant, denn sie liefern Kontext, den Sensorik nicht abbildet. Bei akuter Gefahr, etwa einer Drohne nahe startender oder landender Flugzeuge, über Einsatzstellen oder Menschenmengen, gilt: sofort 110 anrufen. Nicht akute Sichtungen können über das Meldeformular von Luftwacht dokumentiert und an die zuständige Polizei weitergeleitet werden. Hinweise auf Standort, Uhrzeit, Flugrichtung und geschätzte Höhe sind dabei am hilfreichsten; eigene Abwehrversuche sind unzulässig und gefährlich.

Quellen

  • Ministerium für Inneres und Bau Mecklenburg-Vorpommern (Pressemitteilung, 01.10.2026): „Innenministerium und Hochschule Stralsund starten bundesweit einmaliges Projekt zum Aufbau eines großflächigen Drohnen-Lagebildes“, presseportal.de
  • Nordkurier (01.10.2026): „Bundesweit einmalig: 150 Sensoren sollen verdächtige Drohnen über MV in Echtzeit aufspüren“, nordkurier.de
  • Nordkurier (01.10.2026): „MV-Regierung will Drohnensicherheit im Land erhöhen“, nordkurier.de
  • airliners.de (29.09.2026): „Mehr meldepflichtige Drohnensichtungen in MV registriert“, airliners.de
  • aero.de (29.09.2026): „Mehr meldepflichtige Drohnen-Vorfälle“, aero.de

Hinweis: Angaben zu Technik, Zeitplan und Kosten stammen aus der Projektvorstellung; die praktische Wirksamkeit des Systems ist noch nicht erprobt.

Dieser Beitrag wurde KI-gestützt recherchiert und redaktionell geprüft.

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